Peter D. Zettel
Zen & Management

Zen handeln, Zen leben

Es geht im Leben um Prinzipien, Haltung und Kultur
– und nicht um Strategien, Konzepte und Methoden.

Als ich diese Webseite einzurichten begann, kam mir ‚Wittgensteins Leiter‘ in den Sinn: ‚Meine Sätze erläutern dadurch, dass sie der, welcher mich versteht, am Ende als unsinnig erkennt, wenn er durch sie – auf ihnen – über sie hinausgestiegen ist. (Er muss sozusagen die Leiter wegwerfen, nachdem er auf ihr hinaufgestiegen ist.)

Das heißt die einzelnen Stufen der Leiter, die konzeptionellen Sichtweisen als Möglichkeit anzusehen, ein sehr komplexes Gebilde gedanklich aufzudröseln, dabei nie vergessend, es hinterher auch wieder (gedanklich) zusammenzufügen - um das Ganze in der phänomenologischen Betrachtung der Welt wieder ganz vergessen zu können.

Wir Menschen durchlaufen im Leben unterschiedliche Entwicklungsstufen wie Clare W. Graves sie dargestellt hat. Doch bleiben wir oft auf einer der unteren Stufen stecken und kommen nicht darüber hinaus. Also können wir uns entweder von Stufe zu Stufe weiter hinauf arbeiten; oder wir nehmen den direkten Weg bis zur letzte Stufe und darüber hinaus.

Das ist in meiner Vorstellung Zen-Handeln und Zen-Leben. Der direkte Weg.

Beziehung

Der Mensch ist sich seiner selbst bewusst geworden. Und damit löste sich für ihn das symbiotische Miteinander in Beziehungen auf. Also müssen wir unsere Beziehungen so gestalten, dass wir dem angestrebten Ideal immer näher kommen.

Das ist notwendig, weil uns der Weg zurück zum Einssein nicht mehr möglich ist. Aber wir können bewusst so handeln und leben! Es geht also darum, wie Alan Watts es formuliert hat, die implizite Einheit als explizite Zweiheit zu erfahren.

Jeder Mensch ist, wie alles andere auch, nicht Teil, sondern ein Aspekt des Universums und des Kosmos, der dahinter stehenden Idee. Also wissen wir eigentlich, was uns im ‚Innen‘ und damit auch das Universum im ‚Innen‘ ausmacht; voraussgesetzt, wie versenken uns im Geist darin.

Aber eben nur eigentlich, denn wir sind zwar durch die Selbstbewusstwerdung auf dem Weg, dies zu erkennen; andererseits haben wir dieses implizite Wissen durch unseren zivilisatorischen Müll auch zugeschüttet.

Es geht also darum, uns dieses implizit vorhandene, aber verdeckte und nur schwer in Worte zu fassende Wissen um uns selbst wie um das Universum, erkenn- und erfahrbar zu machen, indem wir unsere Beziehungen ganz bewusst gestalten, um durch diese Äußerlichkeit unsere Innerlichkeit zu erfahren und zum Ausdruck zu bringen.

Grundannahmen

Doch bevor ich mich auf eine solche Reise überhaupt aufmachen kann, muss ich die einzelnen Stationen des Entwicklungsprozesses kennen und integrieren, um auf diesen Stufen weiter hinauf und über sie hinaus steigen zu können.

Wir müssen also wissen, wo wir uns gerade befinden, genauso, wie wir wissen müssen, wo wir hinwollen. Das ist die erste Herausforderung, der wir uns stellen müssen: Wie können wir wissen, wohin wir wollen, wenn wir es doch noch gar nicht wissen können? Und wie können wir realistisch einschätzen, wo wir gerade wirklich unterwegs sind?

Für beides brauchen wir eine klare Antwort. Sonst bleiben wir, wo wir sind. Worauf also sind wir bereit, uns einzulassen? Ohne das können wir nicht lernen. Doch das heißt nicht blind zu glauben, sondern zu vertrauen und zu verifizieren. Heißt dem anderen und sich selbst zu vertrauen.

Dann können wir uns auf den Weg machen. Vorausgesetzt natürlich, wir haben eine stimmige Karte mit den notwendigen Wegmarkierungen, die richtige Ausrüstung und auch die richtige Einstellung. Also Prinzipien, Haltung und Kultur.

Dann - und nur dann - sind wir bereit, aufzubrechen.

Selbstorganisation

All das setzt voraus, dass wir uns der Notwendigkeit bewusst sind, uns dem entsprechend zu organisieren, um auch dem entsprechend handeln zu können - und zwar selbst. Man kann niemanden ‚organisieren‘ - nur sich selbst

Wenn ich also weiß, wo meine Reise hingehen soll, dann muss ich mich aufmachen, diese Reise auch zu organisieren. In exakt dieser Reihenfolge. Erst muss ich wissen, was ich eigentlich will, dann kann ich es auch organisieren.

Wissen wir aber, wo wir hinwollen, ist das Organisieren einfach. Die Prinzipien, etwa der Philosophia perennis sind schnell aufgezählt und man kann sie überall nachlesen. Das viel größere Problem aber liegt wohl bei uns selbst.

Oft fangen wir ja aber an, etwas zu organisieren, ohne genau zu wissen, wo die Reise hingehen soll. Und wundern uns dann, wenn nichts daraus wird. Also wissen wir wirklich, wo genau die Reise hingehen soll?

Wir müssen uns ganz ernsthaft fragen, was uns bisher daran gehindert hat, die Reise anzutreten. Das kann eine lange Fragerei werden, die aber leicht abzukürzen ist. Wir brauchen einfach nur die Welt der Konventionen verlassen.

Damit (!) beginnt die Organisation. Der Rest kommt dann von alleine.

Bewusstheit

Aber da ist noch eine Voraussetzung, derer ich mir bewusst sein muss.

Um es mal nerdig zu beschreiben: Es braucht ein Betriebssystem, damit alles läuft. Also eine Basis, ein Fundament, eine Grundhaltung zum Leben, auf der alles weitere aufbauen kann.

Habe ich gerade gelesen. Das hat was, definitiv! Also frage ich mich, was ist eigentlich mein Betriebssystem? Und ist es überhaupt das richtige? Dahinter steht nämlich eine ganz spezifische Philosophie, auch wenn mir die vielleicht nicht bewusst ist. Ich bin nicht, wie ich geworden bin, sondern ich bin exakt die Überzeugungen, die ich von mir selbst habe. Und genau deswegen bin ich so geworden, wie ich heute bin.

Ich bin also irgendwie meine eigene Schöpfung. Weiß ich, beziehungsweise bin ich mir bewusst, wo ‚meine‘ tierische Natur aufhört und wo meine menschliche anfängt? Die tierische Natur ist mir vorgegeben, die menschliche aber nicht. Doch wo ist die Grenze, wo hört die eine auf und fängt die andere an?

Das bekomme ich nur durch Bewusstheit und Ehrlichkeit mir selbst gegenüber heraus. Ein anderer kann mir zwar Hinweise geben, erkennen aber muss ich es selbst.

Notwendigkeit

Mir fällt gerade auf, dass in diesem Text sehr oft das Wort ‚müssen‘ vorkommt. Viele haben ja damit ja so ihre Probleme, aber wenn ich einen Kaffe trinken möchte, muss ich definitiv etwas tun. Entweder, ich hole mir einen oder ich bestelle ihn mir. Aber irgendetwas muss ich tun, sonst bekomme ich ihn ganz sicher nicht.

Dass das nichts damit zu tun hat, dass mir jemand anderer sagen könnte, was ich tun muss, ist klar. Wir sind ja autopoietische Wesen, auch wenn das manche immer noch ignorieren. Und es sind genau solche Gedanken, die einer ganz bestimmten Philosophie folgen, nur dass die dahinterstehende Absicht meist dem Erhalt einer Illusion dient.

Also brauche ich eine gehörige Portion Selbstkritik und auch Zweifel, also die Fähigkeit, meine Handlungen wie mein Denken in Frage zu stellen, ohne mich dabei gleich selbst aufzugeben. Das kann ich absolut nicht delegieren, das kann kein anderer für mich tun.

Aber es ist unerlässlich und unverzichtbar, will ich die Notwendigkeit dessen erkennen, was zu tun für mich richtig ist. Und bitte kein Konjunktiv.

Ist, nicht wäre!